Der Hundeführerschein

Der Hundeführschein ist ein Befähigungsnachweis für Hundehalter. Er beinhaltet mindestens eine praktische Prüfung des Halters mit seinem Hund, auch als Gehorsamsprüfung bezeichnet. Zusätzlich kann ein theoretischer Sachkundenachweis erforderlich sein. Der Hundeführerschein soll bescheinigen, dass der Halter seinen Hund im Alltag unter Kontrolle hat und dass sein Hund weder Menschen noch andere Tiere gefährdet. Im theoretischen Teil sind unter anderem grundlegende Kenntnisse zu Hundeerziehung und -verhalten zu belegen.

Neben den tatsächlich als Hundeführerschein bezeichneten Nachweisen hat sich der Begriff umgangssprachlich für verschiedene Prüfungen von Hundehaltern mit ihren Hunden etabliert.

© Piotr Rydzkowski - fotolia.com



In Deutschland werden Hundeführerscheine zum Beispiel von Prüfern nach den Richtlinien des VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) oder des BHV (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater) vergeben. Daneben gibt es landesspezifische Hundeführerscheine von Tierärztekammern, den von Hamburger und Schleswig-Holsteiner Behörden anerkannten "HSAG-Hundeführerschein" oder den Hundeführerschein nach dem Augsburger Modell. In Hamburg dient eine Gehorsamsprüfung, wie sie auch mit verschiedenen Hundeführerscheinen abgelegt wird, zur Befreiung eines Hundehalters von der gesetzlichen Pflicht, seinen Hund generell anzuleinen. In Schleswig-Holstein ist sie zum Führen eines als gefährlich eingestuften Hundes notwendig. Die Anerkennung von Hundeführerscheinen als Nachweis für gesetzlich geforderte Prüfungen von Hundeführer und Hund wird jeweils von den Behörden auf der Basis der entsprechenden Hundegesetze vorgenommen. Bundeseinheitliche Regelungen existieren nicht.

In der Schweiz ist ein Hundeführerschein Pflicht für alle ab dem 1. September 2008 neu angeschafften Hunde, seit 2010 ist er schon vor dem Kauf eines Hundes zu absolvieren.

In Österreich werden in Wien seit 2006 die Besitzer eines Hundeführscheins für ein Jahr von der Hundesteuer befreit.
Mit 1. Juli 2010 soll in Wien zusätzlich der verpflichtende Hundeführschein in Kraft treten. "Uns geht es um das friedliche Miteinander zwischen Mensch und Hund in der Großstadt, der Führschein ist sicher ein wesentlicher Schritt dazu. Es geht uns nicht um eine Diskriminierung, sondern schlicht weg darum, Gefahren und auch Ängste zu minimieren", so Umweltstadträtin Ulli Sima. Voraussetzungen
Der Hundeführschein ist innerhalb von drei Monaten ab Beginn der Haltung zu absolvieren.
Das Mindestalter des Hundes muss zum Zeitpunkt der Prüfung sechs Monate betragen.
Das Mindestalter der Hundehalterinnen und Hundehalter für die Prüfung muss 16 Jahre betragen.
Die Hundehalterinnen und Hundehalter dürfen keine einschlägigen Vorstrafen haben.
Hundehalterinnen und Hundehalter, die bereits jetzt einen "Kampfhund" besitzen, müssen den Hundeführschein innerhalb eines Jahres ab Inkrafttreten des neuen Gesetzes absolvieren.

Liste der betroffenen Hunderassen
Die vorliegende Liste der betroffenen Hunde ist jederzeit erweiterbar. Derzeit betrifft es:

Die Liste wurde von Expertinnen und Experten ausgearbeitet. Zum einen wurde die große Bisskraft dieser Hunde und die Bisshäufigkeit herangezogen. Zum anderen sind dies unter anderem auch jene Hunde, über die es bei der Tierschutzombudsstelle Wien häufig Beschwerden gibt und die nach Unfällen verstärkt als auffällige und aggressive Hunde in den Tierheimen landen. Diese Hunde machen insgesamt knapp fünf Prozent aller in Wien gehaltenen Hunde aus. Sie sind allerdings für fast 25 Prozent aller Hundebisse verantwortlich. Zusätzlich führen Bisse dieser Hunde meist zu vergleichsweise schwerwiegenden Verletzungen. Die Prüfung zum Hundeführschein wird im Auftrag des Veterinäramts der Stadt Wien (MA 60) durch die Tierschutzombudsstelle von speziell ausgebildeten Prüferinnen und Prüfern abgehalten. Im Gegensatz zum freiwilligen Hundeführschein erfolgt keine Befreiung von der Hundeabgabe.

Unterlagen
Zur Prüfung sind mitzubringen:

Haftpflichtversicherungspolizze
Anmeldebestätigung
Chipp-Nummer des Hundes (alle Hunde in Österreich müssen seit 1. Jänner 2010 gechippt sein)
Mögliche Strafen ohne Hundeführschein
Die Pläne zum verpflichtenden Hundeführschein enthalten auch verbesserte Möglichkeiten der Polizei zum Einschreiten und verschärfte Strafbestimmungen.

Wird eine Hundehalterin oder ein Hundehalter nach Inkrafttreten der neuen Reglung mit einem Kampfhund ohne Hundeführschein aufgegriffen, kann eine Verwaltungsstrafe ausgesprochen werden. Die Hundehalterinnen und Hundehalter können aufgefordert werden, den Hundeführschein binnen drei Monaten nachzubringen.

Bei Hundehalterinnen und Hundehalter ohne Hundeführschein in Gefahrensituationen kann der Hund auf Veranlassung der Polizei - neben der Verhängung von sehr hohen Verwaltungsstrafen - sofort und dauerhaft abgenommen werden.

In Frankreich ist seit 2007 ein Hundeführerschein Pflicht für Halter von so genannten Kampfhunden oder Wachhunden.